Kältemittel R290 in Klimaanlagen und Kühlschränken: Warum ändert sich die Norm?

Sie sehen immer häufiger den Hinweis „R290“ auf neuen Klimaanlagen und Kühlschränken? Dieses Kältemittel mit fast keiner Klimawirkung ersetzt schrittweise ältere Gase, angetrieben von einer strengen EU-Verordnung.

Außeneinheit einer Klimaanlage, sinnbildlich für die Kältemittelgeneration, die R290 schrittweise ablöst

Was ist R290 eigentlich genau?

Der Begriff R290 bezeichnet ein Kältemittel, das nichts Geheimnisvolles an sich hat: Es handelt sich um Propan (chemische Formel C3H8), dasselbe Gas wie in einer Campinggasflasche, jedoch in einer für die Kältetechnik bestimmten Reinheit. In einer Klimaanlage oder einem Kühlschrank übernimmt es genau dieselbe Aufgabe wie jedes andere Kältemittel: Es zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf, nimmt auf der einen Seite Wärme auf (im Raum oder im Kühlfach) und gibt sie auf der anderen Seite ab (nach außen), im Rahmen des klassischen Kompressionskreislaufs.

Was R290 besonders macht, ist seine nahezu verschwindende Klimawirkung: Sein Treibhauspotenzial (GWP) liegt bei nur 3, gegenüber mehreren Hundert bis mehreren Tausend bei den fluorierten Gasen, die es ersetzt (Details in der Vergleichstabelle weiter unten). Kein Zufall also, dass es zunehmend sowohl in mobilen und fest installierten Klimaanlagen als auch in Kühlschränken und elektrischen Kühlboxen zu finden ist.

Warum schreibt die EU diesen Gaswechsel vor?

Dieser Wandel ist kein bloßer Marketingtrend: Er geht direkt auf einen europäischen Rechtstext zurück, die Verordnung (EU) 2024/573, bekannt als „F-Gas III“, die seit dem 11. März 2024 gilt und die frühere Verordnung von 2014 über fluorierte Gase ablöst.

Vom Europäischen Parlament und dem Rat verabschiedet, sieht dieser Text eine schrittweise Reduzierung der Quoten für auf dem EU-Markt zugelassene fluorierte Gase vor, mit einem klaren Ziel: deren fast vollständiges Verschwinden bis 2050, im Sinne des europäischen Green Deal. Konkret sollen die HFKW-Quoten (die verbreitetste Gruppe fluorierter Gase, etwa R410A) bereits 2027 um fast 49 % gegenüber den Werten der vorherigen Verordnung sinken.

Für Klimaanlagen und Wärmepumpen legt der Text zudem GWP-Grenzwerte fest, die ab bestimmten Terminen je nach Gerätekategorie nicht mehr überschritten werden dürfen. Mehrere Fachanalysen dieses Textes gehen übereinstimmend von einer Frist um 2027 für leistungsschwache Monoblock- und Multisplit-Geräte (bis 12 kW) mit einem fluorierten Gas hoher GWP aus, und um 2029 für klassische Wandsplitgeräte. R290 selbst ist von diesen Grenzwerten gar nicht betroffen: Da es kein fluoriertes Gas ist, fällt es vollständig aus dem Anwendungsbereich der F-Gas-Verordnung heraus, was es für Hersteller langfristig zu einer sicheren Wahl macht.

Ein weniger bekannter Teil derselben Verordnung: Seit dem 1. Januar 2025 schreiben neue Kennzeichnungsregeln zudem vor, auf dem Gerät und in den Unterlagen deutlich anzugeben, welches Kältemittel und welche Menge in kg verwendet wird. Diese Transparenz erleichtert den Vergleich zwischen Modellen, auch für Sie als Verbraucher beim Kauf.

R290, R32, R410A: Welches Gas hat die kleinste Klimawirkung?

KältemittelGWP (Treibhauspotenzial)SicherheitsklasseWo es vorkommt
R410Aetwa 2.088A1 (nicht entflammbar)Ältere Klimaanlagen und Wärmepumpen
R32675A2L (schwer entflammbar)Viele neuere Klimaanlagen, darunter Mini-Split-Geräte wie das Midea PortaSplit
R600a (Isobutan)etwa 3A3 (stark entflammbar)Haushaltskühlschränke seit den 1990er-Jahren
R290 (Propan)3A3 (stark entflammbar)Die neuesten mobilen oder fest installierten Klimaanlagen und Kühlschränke

Das seit Jahrzehnten in unseren Kühlschränken verwendete R600a ist eigentlich ein naher Verwandter von R290: gleiche chemische Familie, nahezu identisches GWP, gleiche Entflammbarkeitsklasse. Die Haushaltskühlung hat sich mit dieser Art von Gas also längst bewährt, lange bevor die Klimatisierung in großem Maßstab nachzog.

Die Kehrseite: ein als A3 eingestuftes Gas

Ein GWP von 3 hat auch eine Kehrseite: Propan ist ein stark entflammbares Gas, eingestuft als A3 nach der Norm, die Kältemittel nach Giftigkeit und Entflammbarkeit klassifiziert. Anders als bei R410A oder R32 kann ein R290-Leck in einem schlecht belüfteten Raum eine entzündliche Atmosphäre erzeugen, sobald es auf eine Zündquelle trifft.

Das bedeutet nicht, dass ein Gerät mit R290 im normalen Betrieb gefährlich ist: Die Hersteller begrenzen die eingefüllte Gasmenge (oft nur wenige Hundert Gramm, weit unter den Risikoschwellen) und halten strenge Konstruktionsregeln ein (hermetischer Kreislauf, Lecksensoren, gezielte Belüftung). Vor allem bei der Installation kommt es auf die Vorsichtsmaßnahmen an.

Bei einem steckerfertigen mobilen Monoblockgerät bleiben diese Vorgaben für Sie als Nutzer weitgehend unsichtbar: Es genügt, die Anleitung zu befolgen. Bei einem fest installierten Split-Klimagerät mit R290 hingegen bleibt der Einsatz eines für A3-Kältemittel geschulten Installateurs (Befüllung, Evakuierung, Leckerkennung) unverzichtbar: Das ist kein Heimwerkerprojekt, anders als der Aufbau eines Monoblockgeräts.

Ein konkreter Fall Im Juli 2026 betraf ein offizieller Rückruf mehrere QLIMA-Monoblock-Wärmepumpen (Modelle WDH 224, 229, 235, 429 und 435 PTC) mit R290-Kältemittel: Unterhalb von 1,80 m Höhe installiert, bestand im Fall eines Lecks ein Entzündungsrisiko. Ein konkretes Beispiel dafür, was „die Installationsanleitung befolgen“ bei einem A3-Gasgerät wirklich bedeutet.

Dieser Rückruf betrifft keine Klimaanlagen oder Kühlschränke aus unserem Sortiment (es handelt sich um Monoblock-Wärmepumpen, eine andere Gerätefamilie), veranschaulicht aber gut den zentralen Kompromiss von R290: eine hervorragende Klimabilanz im Austausch gegen echte Sorgfalt bei Montagehöhe und Aufstellort.

Und mobile Mini-Split-Geräte wie das PortaSplit, ein Sonderfall?

Eine neue Generation kompakter mobiler Klimageräte, wie das Midea PortaSplit, macht die Sache noch etwas komplizierter. Diese Geräte trennen die Technik in zwei Einheiten (eine Außeneinheit mit dem Kompressor, eine Inneneinheit) ohne feste Installation und arbeiten heute meist mit R32, bei einer reduzierten Gasfüllmenge (rund 0,62 kg).

Eine technische Frage bleibt in der Fachpresse umstritten: Je nachdem, ob ein solches Gerät im Sinne der F-Gas-Verordnung als versiegeltes Monoblockgerät oder als Zweiblocksystem eingestuft wird, könnte eine andere GWP-Frist gelten. Diese Einstufung erscheint uns für diese gesamte Gerätekategorie noch nicht öffentlich mit Sicherheit geklärt, weshalb wir lieber vorsichtig bleiben, statt ein genaues Datum zu nennen, das wir im Verordnungstext nicht zweifelsfrei überprüfen konnten. Sicher ist hingegen, dass der grundlegende Trend in dieselbe Richtung geht wie bei anderen Klimaanlagen: hin zu immer niedrigeren GWP-Werten, mit R290 an der Spitze.

Was das konkret für Ihren Kauf bedeutet

Für einen Kauf heute müssen Sie Geräte nicht selbst nach Kältemittel sortieren: Alle derzeit angebotenen Geräte erfüllen bereits die geltenden Vorschriften. Hier ist stattdessen, was dieser Normwechsel im Alltag bedeutet:

  • Das Kältemittel wählen Sie nicht selbst aus: Es wird vom Hersteller je nach Modell festgelegt. Es steht auf dem Typenschild des Geräts (oft auf der Rückseite oder unter der Abdeckung), meist als „R290“ oder „R32“ mit der Füllmenge in kg.
  • Ein Gerät mit R290 ist nicht empfindlicher als eines mit R32 oder R410A: Die Sicherheit ergibt sich aus der Konstruktion, nicht aus der Wahl des Gases selbst.
  • Halten Sie sich immer genau an die Installationsanleitung: Mindesthöhe, Abstand zu Zündquellen (Steckdose, Schalter, offene Flamme), ausreichende Raumbelüftung. Diese Vorgaben dienen genau dazu, das für Klasse A3 typische Risiko zu beherrschen.
  • Immer weniger Geräte nach altem Standard: R410A-Modelle verschwinden schrittweise vom Neugerätemarkt und werden je nach Leistung und Baureihe durch R32 oder R290 ersetzt.
Der Profi-Tipp Bevor Sie selbst ein mobiles Klimagerät wie das Bosch Cool 4000 oder eine gekühlte Powerstation wie die EcoFlow Wave 2 installieren, prüfen Sie die auf dem Etikett angegebene Gasfüllmenge: Je geringer sie ist, desto geringer das Risiko im Falle eines Lecks, unabhängig vom verwendeten Gas. Ein einfacher Reflex, der für alle Geräte mit A3-Gas gilt, ob R290 oder R600a.

Die in diesem Artikel erwähnten Produkte

Bosch Cool 4000

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Mit den Modi Auto, Silent und Sleep per Knopfdruck kühlt der Bosch Cool 4000 Räume bis 35 m², ganz ohne umständliche Einstellungen, nachts ab 44 dB(A).

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Die reversible tragbare Klimaanlage von EcoFlow, ganz ohne Installation, die bis zu 8 Stunden mit austauschbarem Akku läuft.

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Klarstein Kraftwerk Smart 10K

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Eine vernetzte mobile Klimaanlage, die schnell kühlt: 10 000 BTU, WLAN-Steuerung per App, kompatibel mit Alexa und Google Home, angegebene Montage in unter 5 Minuten.

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Midea PortaSplit 12000 BTU

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Häufige Fragen

R290 (Propan) ist als A3 eingestuft, also stark entflammbar, doch die Gasfüllmenge in einem Haushaltsgerät bleibt gering und der Kreislauf ist hermetisch geschlossen. Das eigentliche Risiko liegt vor allem in der Installation: Höhe, Belüftung und Abstand zu Zündquellen müssen der Anleitung des Herstellers entsprechen.

Nein, im Gegenteil: R290 ist kein fluoriertes Gas und fällt daher vollständig aus dem Anwendungsbereich der EU-F-Gas-Verordnung 2024/573 heraus. Verboten werden schrittweise die älteren fluorierten Gase mit hohem GWP, wie R410A, was Hersteller genau deshalb zu R290 hinführt.

R32 hat ein GWP von 675 und eine mäßige Entflammbarkeit (A2L), während R290 ein GWP von nur 3, aber eine höhere Entflammbarkeit (A3) aufweist. R290 ist also klimafreundlicher, R32 verlangt bei der Installation etwas weniger strenge Sicherheitsauflagen.

Die EU-F-Gas-Verordnung 2024/573 schreibt eine schrittweise Reduzierung fluorierter Gase mit hohem Treibhauspotenzial vor, mit dem Ziel eines fast vollständigen Verschwindens bis 2050. Hersteller wechseln deshalb zu natürlichen Gasen wie R290, die von dieser Verordnung nicht erfasst werden.

Ja: Die Anleitung gibt in der Regel eine Mindestinstallationshöhe, einen einzuhaltenden Abstand zu Zündquellen und eine ausreichende Raumbelüftung vor. Diese Regeln dienen dazu, das für Klasse A3 typische Entzündungsrisiko zu beherrschen, wie ein Rückruf von QLIMA-Wärmepumpen im Jahr 2026 zeigte.

Quellen: