IFA 2026: Wenn Kühlgeräte für zu Hause ihr Vokabular ändern
Die Berliner IFA (Internationale Funkausstellung) ist neben der CES in Las Vegas eine der beiden weltweit größten Messen für Unterhaltungselektronik. Die Ausgabe 2026, die vom 4. bis 8. September stattfand, bestätigte einen Vokabelwechsel bei den größten Herstellern von Kühlgeräten für zu Hause: Man spricht nicht mehr nur von 'vernetzten', sondern diesmal wirklich von 'intelligenten' Geräten.
Samsung und LG, die beiden größten Anbieter von Klimaanlagen und Kühlschränken für Privathaushalte weltweit, stellten dort jeweils ihre neue Vorzeigegeneration vor. Beide Marken sind in unseren getesteten Klimaanlagen und Kühlschränken gut vertreten, was uns einen konkreten Vergleichspunkt zwischen dem, was Sie vielleicht schon besitzen, und dem, was als Nächstes kommt, liefert.
Samsung Bespoke AI WindFree Pro: Die Klimaanlage, die spürt, wo Sie sind
Der Bespoke AI WindFree Pro wurde bei den IFA Innovation Awards 2026 als 'Best in Design' ausgezeichnet und erhielt zudem eine Erwähnung in der Kategorie Haushaltsgeräte. Seine technische Neuerung besteht in einer Funktion: AI Motion Wind. Ein Radarsensor, nicht mehr nur ein einfacher Temperaturfühler, erkennt Position, Anwesenheit und Aktivitätsgrad der Personen im Raum und richtet den Luftstrom entsprechend aus, ohne direkten Luftzug auf eine ruhig sitzende Person.
Die Verteilung selbst erfolgt über 23.000 Mikroöffnungen auf der Gerätefront: Die Luft tritt als sanfte Schicht statt als punktueller Strahl aus, was das unangenehme Gefühl eines dauerhaften kalten Luftzugs verringert, ein häufiger Kritikpunkt bei klassischen Klimaanlagen. Drei bewegliche Lamellen ('Motion Wings') ermöglichen zusätzlich unterschiedliche Verteilungsmuster je nach Tageszeit.
Zwei Funktionen zielen auf konkrete Anwendungsfälle ab:
- WindFree Wearable Good Sleep: Das Gerät synchronisiert sich mit einem kompatiblen Wearable, um die Kühlung an die Schlafphasen anzupassen und die Intensität im Tiefschlaf zu reduzieren.
- Comfort Drying: eine Entfeuchtung, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit reguliert, ohne einen zusätzlichen Kühleffekt zu erzeugen, mit einer angegebenen Energieeinsparung von 30 % gegenüber den bisherigen Entfeuchtungsmethoden der Marke.
Zur Einordnung dieser Zahlen: Der bereits in unserer Auswahl vorhandene Samsung AR35 ist ein klassisches reversibles Split-Gerät der Marke ohne Präsenzradar: Er setzt allein auf die Digital-Inverter-Regelung, effizient, aber ausschließlich von der Raumtemperatur gesteuert. Genau das ist der Unterschied zwischen vernetzt und intelligent, den wir weiter unten genauer erklären.
LG SIGNATURE: Der Kühlschrank, mit dem man wirklich sprechen kann
Am Stand von LG demonstrierte die neue Generation des Premium-Kühlschranks SIGNATURE einen Sprachassistenten auf Basis eines großen Sprachmodells (LLM), der einen natürlich formulierten Satz versteht statt einer starren Liste vorgegebener Befehle. Konkret kann ein Besucher fragen, wie ein bestimmtes Lebensmittel am besten gelagert wird, sich einen Überblick über den Inhalt des Fachs verschaffen oder eine Kochaufgabe koordinieren und erhält eine in natürlicher Sprache formulierte Antwort auf dem integrierten 6,8-Zoll-Display.
Die Funktion AI Fresh geht über den reinen Dialog hinaus: Sie beobachtet die tatsächlichen Türöffnungsgewohnheiten des Haushalts und kann den Innenraum bis zu zwei Stunden vor einer erwarteten Öffnung vorkühlen, basierend auf den üblichen Zeiten statt auf manueller Programmierung. Ziel ist es, den Temperaturanstieg im kritischen Moment der Türöffnung zu begrenzen, ohne den Kompressor dauerhaft mit voller Leistung laufen zu lassen.
Der Samsung RB34C602ESA aus unserer Auswahl veranschaulicht gut die bereits etablierte Zwischenstufe: Seine SmartThings-Anbindung ermöglicht die Fernüberwachung der Temperatur und den Empfang von Benachrichtigungen, doch das Gerät führt keinen Dialog und trifft keine Nutzungsvorhersagen. Es ist ein vernetzter Kühlschrank, aber noch kein Kühlschrank, der von Ihnen lernt.
Vernetzt ist nicht intelligent: Was sich wirklich ändert
Das Wort 'intelligent' klebt seit Jahren an fast jedem Gerät mit WLAN-Chip. Es lohnt sich, klar zwischen drei Stufen zu unterscheiden, von der verbreitetsten bis zur seltensten auf dem heutigen Markt.
| Stufe | Was sie leistet | Beispiel aus unserer Auswahl |
|---|---|---|
| Vernetzt (WLAN + App) | Fernsteuerung, Zeitplanung, Benachrichtigungen. Das Gerät führt Befehle aus, es nimmt von sich aus weder etwas wahr noch antizipiert es etwas. | Comfee Breezy Cool 2.6 (MSmart-Home-App, Alexa, Google Home), LG Libero WZ09 (WLAN + LG-ThinQ-App, standortbasierte Vorkühlung) |
| Sensorgesteuert automatisiert | Ein eingebauter Sensor (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) passt selbstständig einen einfachen Sollwert an, ohne Kenntnis davon, wer anwesend ist oder in welchem Nutzungskontext. | Die meisten Digital-Inverter-Klimaanlagen und Kühlschränke mit klassischer elektronischer Regelung |
| Eingebaute KI (2026) | Präsenz-/Aktivitätserkennung per Radar, Lernen der tatsächlichen Haushaltsgewohnheiten, Dialog in natürlicher Sprache, vorausschauende Entscheidungen (Vorkühlung, schlafbasierte Anpassung). | Samsung Bespoke AI WindFree Pro, neue Generation LG SIGNATURE |
Der konkrete Unterschied liegt in der genutzten Datengrundlage. Ein klassisches Thermostat reagiert auf eine einzige Variable, die Umgebungstemperatur. Ein Radarsensor oder ein Sprachmodell verarbeitet einen reichhaltigeren Kontext: Wer ist da, seit wann, wann wird das Lebensmittel voraussichtlich als Nächstes gesucht. Dieser Sprung in der Datenqualität, nicht das bloße Vorhandensein einer App, rechtfertigt es, von künstlicher Intelligenz statt von bloßer Vernetzung zu sprechen.
Lohnt sich KI schon jetzt?
Diese Funktionen bleiben derzeit den Premium-Baureihen beider Hersteller vorbehalten, mit entsprechendem Preisaufschlag. Drei Anhaltspunkte, um zu entscheiden, ob sich der Mehrpreis für Ihren Haushalt lohnt.
- Das Präsenzradar bringt einen messbaren Vorteil in einem Raum, dessen Belegung häufig wechselt (gemeinsam genutztes Wohnzimmer, Büro mit mehreren Personen), weniger in einem Schlafzimmer mit fester Belegung, wo ein klassischer Nachtmodus bereits ausreicht.
- Die vorausschauende Vorkühlung eines Kühlschranks zahlt sich vor allem in einem Haushalt mit sehr regelmäßigen Tagesabläufen aus; ein Haushalt mit unregelmäßigen Zeiten profitiert weniger, da der Algorithmus wiederkehrende Muster braucht, um korrekt vorherzusagen.
- Ein Sprachassistent ist vor allem ein Komfortmerkmal, kein Leistungskriterium: Er verändert weder die Energieeffizienzklasse noch das tatsächliche Fassungsvermögen des Geräts.
Der Markt hat die untere Stufe, die App-Anbindung, bereits erreicht: Der Comfee Breezy Cool 2.6, für unter 300 € erhältlich, bietet bereits App-Steuerung und Kompatibilität mit Sprachassistenten. Die nächste Stufe, Radarerkennung und Dialog in natürlicher Sprache, dürfte in den kommenden Jahren denselben Weg gehen wie zuvor der Inverter-Kompressor oder das WLAN.



